Adieu analog? Digital Learning als Alpha-Version der Weiterbildung!

Adieu analog? Digital Learning als Alpha-Version der Weiterbildung!

Skill- und Kompetenzmanagement sind schon lange in der österreichischen HR Landschaft angekommen. Dennoch haben bislang nur wenige Unternehmen agile Learning Systeme aufgebaut, um den Mitarbeitern schnell die notwendigen Skills zu vermitteln.Es ist leider oftmals immer noch der Fall, dass Mitarbeiter nahezu zehn Jahre fast identische Arbeiten verrichten, ohne sich weiterzuentwickeln. Befindet sich die betriebliche Weiterbildung damit immer noch in einer Art Beta-Status? Und wo muss nachjustiert werden?

┬®JeniaSymonds_DSC0433_2_smallJüngst hatten Gerhard Stefan, Head of Training & Development bei der Raiffeisen Bank International AG, und Reiner Gell, Account Manager bei Cornerstone OnDemand, auf der Future of Work auf die Herausforderungen im Learning aufmerksam gemacht. In ihrem Vortrag erläuterten sie die Transformation des modernen Lernens als Fundament moderner Personalarbeit. Ihre Botschaft rückte die Employee Experience in den Fokus, mit der Unternehmen die Sprache ihrer Kandidaten sprechen und somit die besten Fachkräfte vom Arbeitsmarkt anziehen und dauerhaft halten können. Leider scheint diese Form des Human Capital Managements bisher nur in der Theorie, aber noch nicht in der Praxis angekommen zu sein.

In den USA bewegt sich modernes Corporate Learning und Development dagegen schon seit längerem mit Siebenmeilenstiefeln in Richtung Digitalisierung – in Österreich hingegen sind die Unternehmen noch ein wenig zögerlich. Zwar bieten viele mittlerweile digitale Lernmodule an, doch diese entpuppen sich häufig lediglich als ein Server, auf dem PDFs zum Up- oder Download bereitgestellt werden. Dabei gaben in einer repräsentativen IDC-Studie, die in Zusammenarbeit mit Cornerstone OnDemand entwickelt wurde, 67 Prozent der Befragten in Österreich an, dass man bei der Weiterbildung auf „on the Job-Training“ setzt. Bezeichnenderweise haben dieselben Probanden als Herausforderungen für die mangelnde digitale Transformation mit fast 40 Prozent einen kulturellen Widerstand ausgemacht. Dies legt nahe, dass die Technologien bereits vorhanden sind, aber es weiterhin persönliche Vorbehalte gibt. Die Panik um die DSGVO-Implementierung letztes Jahr hat gezeigt, wie wenig bzw. wie spät sich die Unternehmen auf die digitalen Herausforderungen vorbereiten. Dies schlägt sich letztendlich auch bei den Weiterbildungsangeboten nieder.

Wo liegt der Unterschied zwischen LMS und LXP?

Als Grund für den zögerlichen Einsatz wirklich interaktiver Learning-Angebote nennen viele Unternehmen die Unsicherheiten bei der richtigen Anwendung zwischen LMS (Learning Management System) auf der einen Seite und Learning Experience Platform (LXP) auf der anderen Seite. Beides bietet jedoch Vor- und Nachteile. So stellt ein klassisches LMS erstmal sicher, dass Mitarbeiter durch die Lernprozesse weiterentwickelt werden. Die Stärke liegt hier aber vor allem in der Analyse und der Evaluation der absolvierten Module. Die Lernprozesse werden hier entlang einer Top-Down-Hierarchie zur Verfügung gestellt – also vom Unternehmen an die Belegschaft.

Dagegen liegt der Fokus bei LXP mehr auf der Steuerung als in der Speicherung der Trainings- u. Lernfortschritte. Wir können hier einerseits eine Top-Down- wie auch Bottom-up-Kommunikation betreiben. Mitarbeiter können untereinander lernen (z.B. in Form von Social Learning), wie auch Impulse ans Unternehmen geben, was auch zu einer Weiterentwicklung des Learnings führt. Die große Idee dahinter ist vor allem Neugierde zu wecken, weil dies die beste Form des Lernens darstellt. LXP-Lösungen eignen sich besonders als Unterstützung für ein LMS, komplett ersetzen können sie es aber definitiv nicht.

Blended Learning als Bestandteil des integrierenden Lernens

Die zuvor angeführten Vorbehalte gegenüber der Nutzung solcher Learning-Systeme resultiert häufig aus einer uneinheitlichen Vernetzung innerhalb der HR-Abteilungen. Natürlich wird sich nicht jeder Schritt in den digitalen Bereich übertragen lassen. Ähnlich sieht es beim Corporate Learning im großen Stil aus, wo es um eine optimale Mischung geht, sodass beide Seiten – die analoge wie auch digitale – miteinander harmonisieren und gemeinsam das Beste aus den Qualifikationen und Potenzialen der Belegschaft herausholen. Eine praxisnahe Lösung bietet hier Blended Learning, bei dem die Mitarbeiter Inhalte und Lernplattform selbst wählen können. Das integrierte Schulungskonzept Blended Learning vereint die Vorteile aus Präsenzveranstaltungen und E-Learning. Es kommt jedoch darauf an, dass das Learning strategisch mit der Performance sowie der Nachfolge- und Karriereplanung vernetzt wird, um einen aussagekräftigen Wertbeitrag zu messen, der über den üblichen „Nachweis erfolgreicher Teilnahme“ hinausgeht. Entscheidend ist, ob die aufgenommen Lerninhalte auch einen signifikanten Erfolg bringen und von den Mitarbeitern praktisch angewendet werden können. Hier sind vor allem Line-Manager in die Pflicht zu nehmen, da sie gemeinsam mit der HR aussagekräftige Kennzahlen entwickeln müssen, um den Wertbeitrag der Lernmodule messen zu können.

Wie solche Konzepte funktionieren können, zeigt YouTube bereits seit längerem. Hier ist Wissen jederzeit auf unterschiedlichsten Ausgabemedien abrufbar – und es gibt eine Vielzahl von Tutorials zu den verschiedensten Themen. Dabei geben Abrufzahlen und Like- bzw. Dislike-Buttons sowie Kommentarfunktionen ganz genau und in Zahlen wieder, wie die Videos bei den Usern ankommen. Ein weiteres Element des Erfolgs von Youtube an dieser Stelle ist der „Mitmach-Effekt“: Jeder kann selbst Tutorials erstellen und für andere Nutzer hochladen – auch dies ein Effekt, von dem noch zu viele österreichische Unternehmen im Bereich Corporate Learning träumen können. Aber ganz so düster ist es dann auch wieder nicht, denn ansonsten gäbe es nicht Veranstaltungen wie die Future of Work. Statt spröder Seminare und Lernmodule, die lediglich einen Haken hinter das Seminar setzen, müssen die Kollegen und Kolleginnen auf eine innovative Reise mitgenommen werden.

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Cornerstone_2019 NEU

Quelle Fotos: ®JeniaSymonds