Wer gewinnt in der Welt des Web 2.0: Jeans- oder Krawatten-Träger? – Part 1

Wer gewinnt in der Welt des Web 2.0: Jeans- oder Krawatten-Träger? – Part 1

Vor wenigen Wochen prallten im Rahmen einer Diskussionsrunde zwei gänzlich unterschiedliche Welten aufeinander. Junge, aufstrebende Founder aus der Startup-Szene und erfahrene Manager aus etablierten, renommierten Unternehmen diskutierten unter der Leitung von Sindy Amadei, Geschäftsführerin von LSZ Consulting, in den Wiener Büroräumlichkeiten von tripwolf unter anderem darüber, ob Startup-Typen Mitte 20 in Jeans und mit Tattoos in kurzer Zeit zu Millionär geworden, die Schlipsträger vor sich herjagen oder wann genau diese Startups den Punkt erreicht haben, wo sie Knowhow und Führungskompetenz von „Old School“ Managern benötigen. Im folgenden, mehrteiligen Blog können Sie die spannendsten Interviewpassagen nachlesen.

Amadei: Herr Steinhauser, bitte beginnen Sie sich und Ihr Unternehmen vorzustellen. Erzählen Sie uns auch bitte über Ihr größtes Projekt.

Steinhauser: Mein Name ist Markus Steinhauser. Ich bin gemeinsam mit zwei weiteren Personen Gründer von Testbirds. Wir testen Apps und Webanwendungen für mobile Endgeräte, Smartphones und Tablets. Tester können Feedbacks geben. Diese werden von professionellen Projektmanagern analysiert, um den Kunden so konkrete Handlungsempfehlungen geben zu können. Im Jahr 2011 haben wir das Projekt gestartet und sind jetzt knapp 20 Leute im Unternehmen.  Zurzeit sind wir gerade am Aufbau, welcher zugleich auch mein größtes Projekt darstellt.

Amadei: Wie ist der Altersschnitt bei euch im Unternehmen?

Steinhauser: Unter 30. Wir haben viele junge Mitarbeiter die nebenbei studieren, andere haben mehrjährige Berufserfahrung, um auch die Expertise zu steigern.

Amadei: Danke. Ali Mahlodji, was war dein größtes Projekt?

Mahlodji: Ich habe vor einem Jahr mit vier Personen ein Startup gegründet. Jetzt sind wir insgesamt 21 Personen in der Firma. Die Idee die wir umgesetzt haben, war eine Kindheitsidee von mir.

Markus Steinhauser & Ali Mahlodji

links: Markus Steinhauser
rechts: Ali Mahlodji

Ich wollte immer so ein Art Handbuch für Lebensgeschichten haben. In diesem erzählt jeder Mensch von seinem Werdegang und seinem Job. Umgesetzt haben wir diese Idee im Jahr 2012 mit einer Art Videoplattform, wo wir Personen über ihren Job interviewt haben, egal ob Bundespräsident Heinz Fischer, Armin Wolf oder der Nachbar von nebenan. Bis jetzt haben wir auf dieser Onlineplattform etwa 1500 Videos. Durch diese Videos bekommt man einen Einblick, wie das Unternehmen intern aufgestellt ist. Also wenn man auf unsere Plattform whatchado.net/diedeutschebank geht, findet man über 70 Personen aus diesem Konzern. Vom Zugführer bis zum CIO müssen alle dieselben Fragen authentisch beantworten. Die größte Challenge waren die 1,5 Jahre, in denen andere Leute für diese Idee ehrenamtlich gearbeitet haben. Dann hat sich der erste Kunde bei uns gemeldet und wollte als unser Partner dabei sein. Irgendwann haben wir beschlossen, dass dieses „Hobby“ zu zeitaufwändig ist und sich nach dem normalen Fulltime-Job nicht ausgeht. Also beschlossen wir ein Unternehmen zu gründen. Wir bekommen Anfragen aus der Schweiz, Deutschland und den USA. Jetzt sind wir dabei diese Internationalisierung voranzutreiben und eine komplett neue Plattform aufzubauen, die allen Anforderungen gerecht wird. Unser Ziel ist bis Ende des Jahres über 30 Mitarbeiter im Unternehmen zu haben. Im Juni sind wir in den USA eingeladen um unser Projekt der UNO vorzustellen. Vielleicht ist ab dann unser Ziel, uns außerhalb von Europa aufzubauen.

Amadei: Wie ist der Altersschnitt bei euch?

Mahlodji: Bis vor kurzem war ich mit 31 Jahren der Älteste im Unternehmen.

Amadei: Danke. Herr Heinzel, was war Ihr größtes Projekt?

Heinzel: Mein Name ist Sebastian Heinzel. Vielleicht kurz ein paar Worte zum Büro in der Spengergasse 37. Im Haus befinden sich sieben unterschiedliche Startups wie Tripwolf, Tourraider, all about apps und Kochabo. Wir als Tripwolf sind hier der Hauptmieter. Da das Büro für uns alleine zu groß ist, vermieten wir das Büro an Startups, dadurch ergeben sich viele Synergien und Überschneidungen. Wir als Tripwolf sind ein Social Travel Guide, sprich ein Reiseführer, der von einer Community befüllt wird. Ich kann mir innerhalb der App weltweite Reiseführer herunterladen. Der große Vorteil ist, dass das Ganze völlig offline funktioniert. Mit unserer Idee sind wir sehr erfolgreich. Zurzeit stehen wir etwa bei 3,5 Millionen App-Downloads und sind wahrscheinlich einer der größeren Reiseführer-Infoprovider im Mobilbereich. Es gibt uns auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch. Wir sind ein Team von 20 Personen. Gestartet sind wir im Jahr 2008 als reine Webplattform. Seit 2011 dreht sich alles nur noch um Apps. Somit haben wir es geschafft den Fokus vom Web auf Mobile zu lenken.

Amadei: Vielen Dank, Herr Heinzl. Bitte fahren Sie fort Herr Schmutz.

Christoph Schmutz & DI Wolfgang Buchner

links: Christoph Schmutz
rechts: DI Wolfgang Buchner

Schmutz: Damals war das Projekt unter dem Namen Ticketfall bekannt. Wenn ich jetzt meinen größten Anteil in einem Projekt bewerten soll, dann wäre es das IT Operations 2.0. Diese Idee habe ich damals als Rechenzentrumsleiter ins Leben gerufen, um den Betrieb zu modernisieren. Schließlich haben wir sogar eine Auszeichnung gewonnen, den ITIL SM Award in Deutschland. Das war persönlich mein größtes Projekt. Jetzt ist es zweifelslos der Launch des Ticketshops und das neue Vertriebssystem.

Amadei: Sie haben eine eigene Abteilung, wie viele Mitarbeiter arbeiten in dieser Abteilung?

Schmutz: Derzeit sind es 110.

Amadei: Herr Buchner bitte.

Buchner: Ich heiße Wolfgang Buchner und war 15 Jahre bei der IBM. Zuerst war ich in der internen Anwendungsentwicklung, dann war ich als Vertriebsleiter im Großkundenbereich tätig. Danach bin ich zur Fernwärme gewechselt und habe dort eine ziemlich runter gemanagte EDV übernommen. Schließlich haben wir die EDV wieder aufgerichtet und ich habe die EDV der Fernwärme mit der EDV der Wiener Stadtwerke zur sogenannten Konzern IT verschmolzen. Diese hat es jedoch  nur bis zur Energieliberalisierung gegeben. Im Jahr 2003 habe ich die Firma Wien IT im Auftrag der Wiener Stadtwerke Holding gegründet. Das Unternehmen dient als interner IT Dienstleister für alle Wiener Stadtwerke.

Amadei:Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

Buchner: Ungefähr 250. Das Projekt war unglaublich spannend und sehr facettenreich, weil es nicht nur ein reines Technologie Projekt war, sondern auch ein Motivationsprojekt. Aber es ist nicht leicht, so signifikant über viele Jahrzehnte implementierte Prozesse über Bord zu werfen und die Leute hinüberzubringen und zu sagen, dass der alte Host ja nicht schlecht, aber nicht mehr ganz zeitgemäß war.

Amadei: Fahren Sie bitte fort Herr Sikora.

Sikora: Mein Name ist Hermann Sikora, Jahrgang 1963. Ich bin die Generation die zu Beginn des Studiums gefragt wurde „Du studierst Informatik? – Wir brauchen eh gute Journalisten“.

Prof. Dr. Herman Sikora

links: DI Wolfgang Buchner
rechts: Prof. Dr. Hermann Sikora

Ich bin schon mit sehr jungen Jahren in eine hohe Position gekommen. Seit 1994 bin ich Geschäftsführer der Unternehmen der GRZ IT Gruppe. Ganz bewusst halten wir uns hinter den Kulissen. Wir wurden als Bankenrechenzentrum gegründet und sind einfach gesagt die Raiffeiseninformatik für den gesamten Westen. Ich hatte das Glück und konnte relativ schnell von 180 auf 750 Leute expandieren. Unser Altersschnitt im Unternehmen ist relativ niedrig, da wir ausschließlich junge Leute eingestellt haben, um den Schnitt niedrig zu halten. Der Schnitt beträgt circa 40 Jahre. Mein größtes Projekt war die Umsetzung von „ELBA-Internet“, das erste elektronische Banking System in Österreich. Meine Idee wurde zunächst wegen Irrelevanz abgelehnt, ein halbes Jahr später konnte ich das Projekt dann doch starten. Mein zweites großes Projekt ist „Fussballoesterreich.at“, welches wir mit dem Unternehmen Silbergrau entwickelt haben. Mittlerweile ist es eines der größten Fußballportale und Cloud-Applikationen Österreichs. Nebenbei war ich seit 2006 in einer Honorarprofessur an der Uni in Linz engagiert, um den Kontakt zur Jugend zu halten.

Vorsteher: Dann zu mir, ich bin wohl der jüngste in der Runde. Mein Name ist Nikolaus Vorsteher und ich bin kürzlich 22 Jahre geworden. Ich habe letztes Jahr, gemeinsam mit zwei Partnern, das Unternehmen MercuryPuzzle gegründet. MercuryPuzzle ist eine Art Recruiting Plattform, die neben den CV Informationen von Bewerbern, Assessmentinformationen und Subjektivbetrachtungen zuzieht, um im Endeffekt Humanressource Centern und Recruitern eine schnellere und effizientere Auswahl von Kandidaten zu ermöglichen. Zuvor war ich zwei Jahre in einem Webresearch Unternehmen in Deutschland tätig. Ich habe mich dort ziemlich schnell hochgearbeitet. So kam es dazu, dass einer der Managing Partner als Gründer einstieg und das Projekt finanzierte. Wir haben das Projekt als Plattform in der Betaphase rausgebracht und hatten  gleich in den ersten drei Monaten 10.000 aktive User, pro Monat 40.000 Visitors. Währenddessen sind wir noch unter die Top 8 vom Pioneers Festival gekommen und wussten somit, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das Ziel ist es, diese ganzen Recruiting und Assessment Solutions von der Plattform her skalierbarer zu machen und damit weltweit in eine Art Netzwerk zu stellen. In Wien haben wir zehn Mitarbeiter, in Deutschland fünf, in England weitere drei und in der Schweiz zwei. Der Altersdurchschnitt bei uns ist 23.

Im zweiten Teil der Diskussion erfahren Sie, ob sich „New Economy“ und „Old Economy“ gut ergänzen oder ob sie noch in ein zwei Parallelwelten operieren.

Hier kommen Sie zu Part 2!